Wer heute einen neuen oder verstärkten Anschluss in einem Engpassgebiet beantragt, bekommt immer öfter eine Formel angeboten, die bis vor Kurzem kaum vorkam: Fall-Back Flex. Das ist kein Zufall. Ende April lockerte der flämische Energieregulator die Bedingungen, unter denen Fluvius die Formel anbieten darf. Laut dem Netzbetreiber bedeutet das einen Durchbruch für 760 wartende Dossiers von Unternehmen, die sonst Jahre auf eine Netzinvestition hätten warten müssen.
Was ist Fall-Back Flex?
Fall-Back Flex ist eine temporäre Anschlussformel von Fluvius für Unternehmen ab 100 kVA in Zonen, in denen Netzengpässe erwartet werden. Das Prinzip ist einfach:
- Das Unternehmen erhält sofort seine volle beantragte Leistung.
- Nur wenn das Netz lokal unter Druck steht, sendet Fluvius vorübergehend eine Begrenzung (einen Sollwert).
Außerhalb von Engpässen merkt niemand etwas: Die Anlage läuft mit der vollen beantragten Leistung. Sendet Fluvius einen Sollwert, muss die Anlage innerhalb von 3 Minuten herunterregeln und unter der Begrenzung bleiben, bis das Signal freigegeben wird. Danach kehrt sie einfach zur vollen Leistung zurück.
Warum jetzt?
In Teilen Flanderns ist das Stromnetz an seiner Grenze. Neue oder verstärkte Anschlüsse ab 100 kVA landeten dort auf einer Warteliste, bis die nötige Netzinvestition umgesetzt war, und das kann Jahre dauern. Fall-Back Flex existierte bereits als Ausweg, aber Fluvius durfte die Formel nur in Zonen anbieten, in denen Elia bereits eine konkrete Netzverstärkung geplant hatte.
Diese Eins-zu-eins-Kopplung zwischen einem Antrag und einer geplanten Netzinvestition hat der flämische Energieregulator Ende April aufgegeben: Die Investition oder eine andere konkrete Lösung muss künftig in die nächsten Investitionspläne aufgenommen werden, muss aber nicht mehr vorab vollständig ausgearbeitet sein. Seitdem versendet Fluvius maßgeschneiderte Angebote für die Hunderte blockierten Dossiers.
Auch bei Batterieprojekten bewegt sich etwas: Rund 500 Anträge für Industriebatterien warten auf ein Angebot, etwa hundert davon können nur über Fall-Back Flex anschließen. Eine separate Entscheidung des Regulators zu Anschlussverträgen für Batterien wird in den kommenden Monaten erwartet.
Was bedeutet das für Unternehmen?
Der Vorteil ist klar: sofort mit voller Leistung anschließen statt Jahre warten. Dem steht ein Engagement gegenüber, das vertraglich und technisch anspruchsvoll ist:
Die Anforderungen von Fluvius
Reagieren innerhalb von 3 Minuten
Der Sollwert muss innerhalb von 3 Minuten erreicht sein.
Die Begrenzung einhalten, solange Fluvius es verlangt
Die gesamte Steuerperiode, mit Echtzeit-Rückmeldung an Fluvius.
24/7 steuerbar
Steuerungen können jederzeit kommen, auch nachts und am Wochenende.
Die gesamte Anlage regelt mit
Auch Wärmepumpen, Kühlgruppen und Lüftung müssen mitschalten können.
Es gibt auch eine finanzielle Seite. Wer einer Steuerung folgt, erzeugt ein Ungleichgewicht im Portfolio seines Bilanzkreisverantwortlichen (BRP). Der Kunde trägt dafür selbst die finanzielle Verantwortung und trifft vorab Vereinbarungen mit seinem (Lieferanten-)BRP; die Zustimmung des BRP ist ein fester Schritt im Antrag.
Schließlich ist die Formel ausdrücklich temporär: Sie entfällt, sobald die geplante Netzinvestition in der Zone umgesetzt ist. Sobald der regulatorische Rahmen dafür endgültig ist, wird sie automatisch in eine flexible Anschlussvereinbarung (FAO) umgewandelt.
Was bedeutet das für Installateure?
Fall-Back Flex verschiebt einen Teil der Planungsarbeit. Eine Anlage muss innerhalb von 3 Minuten deutlich herunterregeln können, ohne den Betrieb zu stören. Das macht die Batterie strategisch: Sie kann eine Begrenzung auffangen, ohne dass es jemand merkt. Große Verbraucher wie Wärmepumpen, Kühlgruppen oder Prozesslasten müssen schaltbar sein, auch wenn sie kein Kommunikationsprotokoll haben. Und die gesamte Steuerkette muss vor der Inbetriebnahme bei Fluvius validiert und zertifiziert werden.
Wer erst nach dem Angebot von Fluvius daran denkt, plant hinterher um. Wer es von Anfang an berücksichtigt, liefert eine Anlage ab, die konform ist und von der der Kunde im täglichen Betrieb nichts merkt.
Wie wir das umsetzen
Voltmasters macht Anlagen vollständig konform mit Fall-Back Flex. Der Voltmaster Controller fängt jedes Signal von Fluvius automatisch ab. Ist eine Batterie verfügbar, fängt diese die Begrenzung zuerst auf; erst wenn das nicht ausreicht, schaltet unser I/O-Modul Verbraucher ab. Wir begleiten die Zertifizierung mit Fluvius von A bis Z, und in der Voltmasters-Plattform lässt sich jede Steuerung im Nachhinein bis auf Anlagenebene nachvollziehen.
Die Kette im Bild
Vom Netflex-Schrank bis zu jedem Verbraucher, in einer Regelkette
Bei Engpässen sendet Fluvius über den Netflex-Schrank einen Sollwert. Der Voltmaster Controller verarbeitet ihn als Randbedingung, regelt Batterie und Ladepunkte direkt ab und schaltet über das I/O-Modul auch Verbraucher ohne Protokoll, mit Echtzeit-Rückmeldung an Fluvius.
Alles, was Sie über die Anforderungen, den Ablauf und die Zertifizierung wissen müssen, finden Sie auf unserer Erklärseite zu Fall-Back Flex. Ein konkretes Projekt auf dem Tisch? Besprechen Sie es mit uns.
Quellen: Pressemitteilung von Fluvius (23. April 2026, Niederländisch) und Entscheidung BESL-2026-33 des flämischen Energieregulators (Niederländisch).