Westnetz-Gateway 2.0: EMS-Anbindung über IEC 60870-5-104

Anbindung des EMS an das Westnetz-Gateway 2.0 über IEC 60870-5-104 (Westnetz-Profil), gemäß TAB Mittelspannung. Das EMS empfängt die Wirkleistungs-Sollwerte der Westnetz, setzt sie über die gesteuerten Assets mit den geforderten Rampen um (VDE-AR-N 4110) und meldet Sollwert-Bestätigung und Messwerte zurück. Inklusive Begleitung des Signaltests bei der Inbetriebnahme.

Was ist das Westnetz-Gateway 2.0?

Das Westnetz-Gateway 2.0 ist der Fernwirkschrank, den Westnetz für Anlagen über 500 kW an der Mittelspannung vorschreibt. Über IEC 60870-5-104 mit dem Westnetz-Profil steuert der Netzbetreiber Ihre Erzeugungs- oder Speicheranlage: er gibt Wirkleistungs-Sollwerte vor, regelt die Blindleistung und kann im Notfall abschalten.

Das EMS ist dabei das anlagenseitige Fernwirkgerät, also der 104-Server. Es verbindet sich über Ethernet (RJ45) Punkt-zu-Punkt mit dem versiegelten, netzbetreibereigenen Gateway. Die Fernwirktechnik ist vollständig in den Voltmaster Controller integriert, ein separater RTU-Kasten ist nicht nötig.

Für Sie als Anschlussnehmer heißt das: eine Anbindung, die die Sollwerte der Westnetz korrekt empfängt, mit den geforderten Rampen umsetzt und den aktuellen Zustand zuverlässig zurückmeldet, geprüft im Signaltest vor der Inbetriebnahme.

Was das Gateway steuert

  • Wirkleistungs-Sollwert, in Prozent der installierten Leistung, mit Rampen nach VDE-AR-N 4110
  • Blindleistungsregelung, umschaltbar zwischen Q(U) und Q-Sollwert
  • Sofort-AUS über den Übergabe- oder Kupplungsschalter mit Rückmeldung
  • Messwerte zyklisch und bei Änderung: Wirk- und Blindleistung, Spannung, Verfügbarkeit

Wichtig: das Gateway gibt Westnetz keinen Zugriff auf Ihre Betriebsprozesse. Der Netzbetreiber kann ausschließlich die Energieparameter Ihrer Anlage steuern, nicht mehr.

Der regulatorische Rahmen

Die Anbindung folgt der TAB Mittelspannung der Westnetz und der VDE-AR-N 4110. Welche Anbindung gilt, hängt an der Anschlussleistung.

Niederspannung

Bis 100 kW

Es gelten die Regeln der TAB Niederspannung.

Modbus TCP

100 bis 500 kW

Anbindung über das Westnetz-Gateway-Light mit dem E.ON Modbus TCP Profil, Sollwert in Stufen.

IEC 60870-5-104

Über 500 kW

Anbindung über das Westnetz-Gateway 2.0 mit IEC 60870-5-104 und dem Westnetz-Profil.

Redispatch 2.0 und Netzsicherheitsmanagement: ab 100 kW ist die Teilnahme am Redispatch 2.0 verpflichtend. Sollwerte aus dem Netzsicherheitsmanagement haben immer Vorrang vor Marktsignalen. Das EMS hält bei Verbindungsverlust den zuletzt gültigen Sollwert.

So ist die Anbindung aufgebaut

Vier Glieder, ein durchgehender Weg vom Leitsystem der Westnetz bis zu Ihren Assets. Das versiegelte Gateway gehört dem Netzbetreiber, alles rechts davon regelt der Voltmaster Controller.

1

Westnetz-Leitsystem

Das SCADA der Westnetz gibt Sollwerte vor und empfängt die Messwerte.

2

Westnetz-Gateway 2.0

Versiegelter, netzbetreibereigener Fernwirkschrank auf Ihrer Übergabestation.

3

Voltmaster Controller

Das anlagenseitige Fernwirkgerät (104-Server), per Ethernet Punkt-zu-Punkt gekoppelt.

4

Ihre Assets

Batteriespeicher, PV und weitere gesteuerte Erzeuger.

Der Netzbetreiber steuert, der Controller regelt, die Anlage meldet zurück

Der Netzbetreiber legt über das Protokoll IEC 60870-5-104 eine Leistungsgrenze fest. Der Voltmaster Controller regelt die Assets kontrolliert ab und meldet die Messwerte in Echtzeit zurück, mit einem unabhängigen Hardware-Notstopp als Sicherheitsnetz, den der Controller über seine IO-Erweiterung ausführt.

→ Sollwert & Leistungsgrenze IEC 60870-5-104 ← Messwerte & Rückmeldungen Gateway Westnetz Voltmaster Controller Batterie & PV Assets vor Ort IO-Erweiterung Hardware-Notstopp

Wie Voltmasters anbindet

Das Westnetz-Profil ist eine konkrete Datenpunktliste auf dem IEC-60870-5-104-Stack, den wir bereits in Belgien betreiben. So setzen wir es an der Anlage um.

  • Wirkleistungs-Sollwert in Prozent der installierten Leistung, umgesetzt mit den Rampen nach VDE-AR-N 4110
  • Halten des letzten Sollwerts bei Verbindungsverlust, plus Sollwert-Persistenz über Neustart hinweg
  • Blindleistungsregelung Q(U) und Q-Sollwert, ferngesteuert umschaltbar, mit Spannungsbegrenzung
  • Sofort-AUS über den Übergabe- oder Kupplungsschalter, mit sammelnder Rückmeldung
  • Messung auf der Mittelspannungsseite, plus Zusatzwerte wie verfügbare Leistung, Anlagenverfügbarkeit, SoC des Speichers und Globalstrahlung bei PV
  • Betriebssicherheit: Selbstüberwachung, Hardware-Life-Kontakt und eine batteriegepufferte Stationsversorgung

Inbetriebnahme und Signaltest

Die Inbetriebnahme des Westnetz-Gateways 2.0 läuft in vier Schritten. Wir bereiten jeden Schritt vor und begleiten den Signaltest mit der Westnetz. Die Testkommunikation erfolgt auf Deutsch.

  1. 1

    Bittest Anschlussnehmer

    Selbsttest aller Datenpunkte auf der Anlagenseite, bevor der Netzbetreiber einbezogen wird.

  2. 2

    Hochlaufprüfung

    Der Netzbetreiber prüft per Generalabfrage aus der Ferne, ob alle Signale sauber aufkommen.

  3. 3

    Bittest VNB und Quelle-Senke-Prüfung

    Vor-Ort-Prüfung mit der Westnetz, Punkt für Punkt in beide Richtungen.

  4. 4

    Funktionstest Gesamtwirkungskette

    Reale Abregelung über 30 Prozent der Nennleistung, keine Simulation, oft mit Schritt 3 kombiniert.

Gut zu wissen: die Westnetz kann Funktionstests auch unangekündigt durchführen. Eine sauber getestete und dokumentierte Anbindung zahlt sich also über die gesamte Betriebszeit aus, nicht nur bei der Abnahme.

Kleinere Anlagen: das E.ON Modbus TCP Profil

Liegt Ihre Anlage zwischen 100 und 500 kW, erfolgt die Anbindung nicht über IEC 104, sondern über das Westnetz-Gateway-Light mit dem E.ON Modbus TCP Profil. Das ist eine eigene Integration, die wir sauber getrennt umsetzen.

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Weitere E.ON-Netzbetreiber

Bayernwerk Netz, Avacon Netz, E.DIS Netz und Schleswig-Holstein Netz veröffentlichen eigene, eng verwandte IEC-104-Profile. Auf dieser Ebene ist das ein Roadmap-Thema: wir portieren die Datenpunktlisten projektweise, sobald ein konkretes Vorhaben ansteht.

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Anbindung an das Westnetz-Gateway 2.0 planen?

Nennen Sie uns die Anschlussleistung, die Spannungsebene und Ihre Assets. Wir konfigurieren das Westnetz-Profil, testen alle Signale vor und begleiten den Signaltest bei der Inbetriebnahme.

Häufige Fragen zum Westnetz-Gateway 2.0

Ab welcher Leistung gilt das Westnetz-Gateway 2.0?

Das Westnetz-Gateway 2.0 mit IEC 60870-5-104 gilt für Anlagen über 500 kW an der Mittelspannung (10/20 kV). Von 100 bis 500 kW erfolgt die Anbindung über das Westnetz-Gateway-Light mit dem E.ON Modbus TCP Profil. Maßgeblich ist die Summenleistung am Netzanschlusspunkt.

Brauche ich neben dem EMS noch ein separates Fernwirkgerät?

Nein. Die Fernwirktechnik ist in den Voltmaster Controller integriert, das EMS ist der 104-Server auf der Anlagenseite. Es verbindet sich per Ethernet Punkt-zu-Punkt mit dem versiegelten Westnetz-Gateway. Ein zusätzlicher RTU-Kasten ist nicht nötig.

Welches Protokoll nutzt das Westnetz-Gateway 2.0?

IEC 60870-5-104 mit dem Westnetz-Profil, einer konkreten Datenpunktliste gemäß TAB Mittelspannung. Wir betreiben denselben IEC-104-Stack bereits in Belgien bei der Fluvius-Fernsteuerung, die Westnetz-Anbindung ist die Portierung auf das Westnetz-Profil.

Wie läuft der Signaltest bei der Inbetriebnahme ab?

In vier Schritten: Bittest Anschlussnehmer als Selbsttest, Hochlaufprüfung per Generalabfrage aus der Ferne, Bittest VNB mit Quelle-Senke-Prüfung vor Ort, und der Funktionstest der Gesamtwirkungskette mit realer Abregelung über 30 Prozent der Nennleistung. Wir bereiten jeden Schritt vor und begleiten den Test.

Ist das EMS bei Westnetz zertifiziert?

Für das kundenseitige Gerät gibt es keine formale Zertifizierung. Die Freigabe erfolgt de facto über die Inbetriebnahme und den erfolgreichen Signaltest. Ob zusätzlich ein EZA-Regler nach VDE-AR-N 4110 als Parkregler nötig ist, hängt an der Anlagenkonfiguration und klären wir projektweise.

Was passiert bei Verbindungsverlust zum Gateway?

Das EMS hält den zuletzt gültigen Sollwert und behält ihn auch über einen Neustart hinweg. So bleibt die Anlage in einem netzkonformen Zustand, bis die Verbindung wiederhergestellt ist und ein neuer Sollwert anliegt.

Offizielle Quellen und Normen

Diese Seite basiert auf den unten aufgeführten Dokumenten der Netzbetreiber und Normungsgremien. Prüfen Sie stets die aktuellste Fassung beim Herausgeber.

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